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Schreibbüros

Simultantranskription

29. November 2019

Simultantranskription, die Verhinderung von Hurenkindern und mehr

Wissen Sie, was ein Schreibbüro so macht? Wahrscheinlich geht es Ihnen wie den meisten anderen Leuten, die sich fragen: Briefe schreiben möglicherweise? Ehrlich gesagt ist das in Zeiten der Computerisierung der allerkleinste Aufgabenbereich, denn fast jede/r hat einen Computer und einen Drucker daheim und schreibt sowieso keine Briefe mehr, sondern schickt E-Mails. Aus diesem Grund gab es eine Präsentation im Haus der Wiener Wirtschaft und mehrere Schreibbüros stellten ihr Portfolio vor. 

Gleich die erste Präsentation war für mich schon atemberaubend: Gudrun Amtmann macht Court Reporting, Simultantranskription und ist Schriftdolmetscherin für Deutsch und Englisch. Es kennen wahrscheinlich viele zumindest aus Filmen, dass Chefs etwas auf Band diktiert haben und die Sekretärin tippte das dann ab. Man rechnete damals und auch heute mindestens das Vierfache der Aufnahmezeit für die Transkription in Reinschrift. Das schaut heute ganz anders aus – zumindest bei Frau Amtmann. Sie kann Lautsprache mithilfe spezieller Technik simultan, also fast in Echtzeit, in Schriftsprache übertragen. Bei der Präsentation hat sie auch gleich vorgeführt, wie das aussieht: Auf der Leinwand liefen in den untersten Zeilen die Wörter mit, die sie gerade in ihr System schrieb. Sie macht diese Arbeit bei Gerichten, Schiedsgerichten, Kongressen, Konferenzen, Tagungen, Besprechungen, für Vereine und andere Interessenten. Durch ihr Kürzelsystem ist sie in der Lage, ab 600 Zeichen pro Minute zu transkribieren. Am Ende einer solchen Veranstaltung bekommt ihr Auftraggeber sofort ein Handout. Im Büro werden Tippfehler ausgemerzt und das Manuskript wird überarbeitet, diese Reinschrift geht an die Kunden. Frau Amtmann hat den ganzen Abend alles mitgeschrieben und konnte praktischerweise Vortragenden helfen, wenn die den Faden verloren hatten. Wir waren alle sehr beeindruckt von dieser Leistung.

Arno Tippow macht Lektorat und Korrektorat in neuer und alter Rechtschreibung, außerdem noch Layout, Redaktionsmanagement, Recherche und Transkriptionen für Verlage, Forschung und Wissenschaft. Er erklärte, wie er bei Korrekturen nach DIN-Norm vorgeht und worauf Wert gelegt werden muss. Er zeigte und erklärte die Korrekturzeichen, wie er sie verwendet. Nun kommt auch schon die Aufklärung, was es mit den Hurenkindern auf sich hat: Das ist ein Fachausdruck aus dem Druck. Steht die letzte Zeile eines Absatzes allein und verloren auf einer neuen Seite, wird das „Hurenkind“ genannt. Ein solches zu vermeiden ist Herrn Tippows tägliches Brot.

Peter Burgmann betreibt seit Anfang der Neunzigerjahre ein Schreibbüro. Nachdem es damals noch kein Gewerbe für seine spezifische Tätigkeit gab, wurde er in unsere Fachgruppe eingegliedert- „denn man schreibt ja auch, wenn man Zahlen in Tabellen einträgt“. Er arbeitet für 25 verschiedene AuftraggeberInnen, bearbeitet deren Buchhaltung, bereitet sie für die SteuerberaterInnen vor und hilft bei Problemen mit der EDV.

Wolfgang Primisser hat wahrscheinlich das einzige Schreibbüro in Wien, das nicht als Ein-Personen-Unternehmen geführt wird, sondern einige Angestellte hat. Seine Spezialität ist auch etwas, das ich noch nicht gehört hatte: NMF. Nicht maschinenfähig. Das ist ein Ausdruck der Post. Weil es manchmal für die Maschinen der Post nicht möglich ist, bestimmte Beschriftungen zu erkennen, werden Massensendungen nicht angenommen. Dass das nicht geschehen kann, dafür sorgt Herr Primisser. Er fragte das Publikum, wie viel es kostet, einen Brief zu verschicken. Unsere einhelliges „80 Cent“ quittierte der Fachmann mit einem Lächeln. Es kommt nämlich immer darauf an, was man genau verschicken will und in welchen Mengen. Man kann sich offensichtlich viel Geld ersparen, wenn man sich an ihn wendet, bevor man so etwas macht.

Für mich war es auch nach der Präsentation spannend, mit einigen Anwesenden zu plaudern: Eine Dame macht Sekretariatsservice für kleine Firmen, die keine eigene Sekretärin angestellt haben. Dies scheint vor allem in großen Business Centern ein weit verbreiteter Service zu sein, wie einer der Anwesenden berichtete. Auf jeden Fall war nach diesem Abend klar: Ich habe viele Vertrauen erweckende KollegInnen! Bei jeder/m einzelnen bin ich mir sicher, dass ihre/seine KundInnen in den besten Händen sind.

Mit den Worten von Herrn Tippow: Nehmen Sie uns in Anspruch, das erspart Ihnen Geld!

Herzlichen Dank an Dr. Simon und Dr. Pichelmayer und das Fachgruppenbüro für die Organisation der Veranstaltung.